19.04.2015

Geschichte des Mühlengrundes

Der Mühlengrund Neu-Hohenschönhausen
im Wandel – eine (un)endliche Geschichte?
- Geschichte -



Die Geschichte des Mühlengrundes ... 

... ist Teil der Geschicht Neu-Hohemschönhausens.

Der Mühlengrund befindet sich im Südosten von Neu-Hohenschönhausen. Der Name Mühlengrund bezieht sich zum einen auf eine Kleingartenanlage, die südwestlich des Neubaugebietes gelegen ist. Diese Kleingartensiedlung wiederum wurde nach einer ehemals in der Nähe befindlichen Windmühle benannt (einem sogenannten „Erdholländer“). 

Ingesamt entstand das Viertel zwischen 1982 und 1987. Zunächst begann die Festlegung der Straßenzüge, im Jahre 1984 erfolgte die Verlängerung der Straßenbahn von der Gehrenseestraße nach der Zingster Straße und danach wurde mit dem eigentlichen Wohnungsbau begonnen.
Es handelt sich hierbei um sechs- bzw. elfgeschossige Gebäude, letztere mit Aufzug. Die Wohnungen konnten teilweise erst zwei bis drei Jahre nach ihrer Fertigstellung bezogen werden, da sich zwischendurch der Grundwasserspiegel erhöhte und die Keller überflutete.

Handelseinrichtungen und Gaststätten am Mühlengrund.
Foto: Thomas Seidel

Das Viertel wird zentriert durch einen an sich unbenannten Platz, doch inoffiziell wird er von den Bürgern und auch in entsprechender Presse usw. als „Am Mühlengrund“ bezeichnet und damit werden eben der ländliche Ursprung und die ehemalige Nähe zu oben genannter Windmühle betont. Zum Ensemble des Platzes gehören eine ehemalige HO-Kaufhalle, Gewerbeneubauten, die 1997 als Mühlengrundcenter den ehemaligen Dienstleistungskomplex mit Jugendclub Rotkamp, Reinigung, Postannahmestelle, Blumengeschäft sowie die Clubgaststätte Mühlengrund ersetzten.
Die Straßennamen um den Mühlengrund mit Bezeichnungen wie „Maten“, „Röttken“ oder „Rotkamp“ gehen auf alte Gemarkungen auf der Wartenberger Flur zurück.
 
Ein wichtiges Kunstwerk, welches dem Platz ein besonderes Ambiente verleiht, ist der Mühlenradbrunnen. Er wurde vom Metallkünstler Achim Kühn geschaffen, dessen Kunstwerke sowohl in Berlin, als auch im In- und Ausland verschiedene Orte schmücken. Diese Brunnenanlage sollte im Zuge der für die nächsten Jahre geplanten Gesamtsanierung des Wohngebietes entfernt werden. Der Einsatz der Bürgerinnen und Bürger führte dazu, dass die Brunnenanlage saniert wurde und der Brunnen am 10. November 2014 wieder aufgestellt und am 17. eingeweiht wurde.

Ein kleiner Spaziergang durch den Kiez ist lohnens- und sehenswert. 

Bewohnerinnen und Bewohner beim Kiezspaziergang.
Foto: Thomas Seidel



Karte von Hohen Schönhausen - Wartenberg - Falkenberg Mitte 19. Jahrhundert.

Historischer Abriss:

Mischwälder sowie Seen und Pfuhle sind typisch für diese Region der eiszeitlichen Hochfläche des Barnim.

Dorfpartie: Blick von Süden auf Wartenberg.
  
Im 13. und 14. Jahrhundert wurden bereits im Nord-Osten von Berlin Dörfer erwähnt, Hohen Schönhausen, Falkenberg und Wartenberg waren drei davon. Diese Dörfer sind heute ein Teil von Berlin.
Die ältere Geschichte der Dörfer wird bei Wikipedia weiter vorgestellt:
 
Hohen Schönhausen um 1780. Otto Christian Sahler: Col. Radierung nach Friedrich Wilhelm Schaub.

Der Getreideanbau in diesen Dörfern war eine Haupttätigkeit der hier ansässigen Bauernfamilien. Die sogenannte Erdholländermühle, 1876 am Malchower Weg errichtet, ist ein fotografischer Beleg dafür. Von 1888 bis 1940 wurde sie vom Müllermeister Heinrich Maihofer betrieben. Am 20.04.1945 brannte sie während der Kampfhandlungen völlig ab.
 
Die Erdholländermühle mit ihrem Besitzer, Müllermeister Heinrich Maihofer.
 
Ende des 19. Jahrhunderts gingen diese Dörfer in den Besitz der Stadt Berlin über. Hier wurden die städtischen Rieselfelder angelegt. Der Sozialhygieniker Rudolf Virchow und der Stadtplaner James Hobrecht haben eine große Bedeutung für das Entstehen dieses Systems der Abwasserreinigung, welches damals das modernste der Welt war.

Es entwickelte sich verstärkt der Obst- und Gemüseanbau zur Versorgung Berlins. Der Begriff "Hohenschöngrünkohl" ist ja heute noch bekannt.

Ansichtskarte um 1900: Gruss aus Hohenschönhausen.
Robert Schultze's Etablissement und Verknügungs-Park.
  
Die Außengemeinden wurden von den Berlinern als willkommene Freizeitbeschäftigung angenommen - es entstanden Kleingartenanlagen und Erholungseinrichtungen. Die Infrastruktur wurde ausgebaut, so auch die Erweiterung der Straßenbahnlinie bis nach Hohenschönhausen.
  
Erweiterungen Berlin von 1920 - Verwaltungsbezirk 18 Weißensee und seine Nachbarn.

Mit dem Groß-Berlin-Gesetz von 1920 wurden aus dem Landkreis Niederbarnim einige kommunale Einheiten (Landgemeinden und Gutsbezirke) zum neuen Berliner Verwaltungsbezirk Weißensee zusammengefasst.

Dorfkirche Wartenberg vor ihrer Zerstörung, um 1900 und Gedenkstein heute auf dem Friedhof.
 
Mit dem nahenden Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Heranrücken der Front auf Berlin, versuchte die Wehrmacht alles, um den Vormarsch der sowjetischen Soldaten aufzuhalten. Die Kirchen der Dörfer Malchow, Wartenberg und Falkenberg wurden gesprengt. Am 20./21. April 1945 wurden diese Stadtteile von der Roten Armee eingenommen.

In den 1970er Jahren wurde um Hohenschönhausen herum mit dem Bau von Plattenbauten begonnen. Damit verschwand in diesem Gebiet zusehends der dörfliche Charakter.

Die Plattenbauten werden errichtet.
Foto:
Berliner Kurier vom 11.02.2014, S. 10 f.

In den 1980er Jahren wurden die einzelnen Wohngebiete des künftigen jüngsten Stadtbezirkes von Berlin (Ost) fertiggestellt. Die ersten Wohnungen entstanden um den Mühlengrund herum. Am 09.02.1984 erfolgte dann die offizielle Grundsteinlegung. Bis 1989 entstanden so über 40.000 Wohnungen.
Am 01.09.1985 wurde aus verschiedenen Ortsteilen der (Ost-) Berliner Stadtbezirk Hohenschönhausen geboren. Mit dem Bau der Wohnungen wurde auch die Infrastruktur dieses Bezirkes erweitert (Bus-, Starßenbahn- und S-Bahn-Anbindungen).

Der Mühlenradbrunnen 1986.
Foto: Archiv Achim Kühn
  
Am 14.04.1986 wurde auf dem "Marktplatz" des Wohngebietes das zentrale Kunstobjekt - der Mühlenradbrunnen des Künstlers Achim Kühn - feierlich eingeweiht. Diese Brunnenanlage () bestand aus dem Landschaftsbrunnen (mit Quelle, dem Bachlauf sowie dem großen Becken mit Wasserspeier und Mühlrad) vor und dem Findlingsbrunnen innerhalb der Gaststätte.

Die Einweihung des Mühlenradbrunnens 1986.
Foto: Archiv Achim Kühn
  
Mitte der 1990er Jahre begann die erste Sanierungsphase der Wohnungsbestände. Alle Wohnhäuser wurden von der Wohnungsbaugenossenschaft Neues Berlin eG bzw. der HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft mbH und der GSV-Ratsbleiche Baubetreuungs- und -verwaltungs GmbH strangsaniert; Heizungsanlagen und Fenster wurden erneuert, die Treppenhäuser modernisiert und die Fassaden mit Dämmschutz verkleidet – nicht zuletzt auch der besseren Optik wegen.
Mit dem Abriss der Club-Gaststätte verschwand auch der Findlingsbrunnen und mit ihm der wellenförmige Handlauf, ebenfalls ein Detail der Gesamtanlage.

Mit der Verwaltungsreform von 1998 gehört das Gebiet von Hohenschönhausen seit dem 01.01.2001 zum Berliner Stadtbezirk Lichtenberg.

Flyer zur Ausstellung.
Titelbild: Peter Herlitze. 

Das Kiezaktiv Mühlengrund gestaltete im Rahmen 30 Jahre HSH eine Ausstellung - Der Mühlengrund im Wandel der Zeit - und am 10.04.2014 fand die feierliche Enthüllung einer Gedenktafel am Mühlengrund () durch den amtierenden Bezirksbürgermeister statt.

Eine Aktion der Nadelhexe Dorothee Groth.
Fotos: Uwe Seibt
 
Am 17.11.2014 wurde nach einer technischen und künstlerischen Sanierung die Brunnenanlage wieder durch den amtierenden Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung im Beisein des Künstlers mit einem Schlag auf den Taster in Gang gesetzt. Vorausgegangen war eine jahrelange technisch bedingte Stilllegung des Brunnens und ein beherzter Kampf des Kiezaktivs sowie das Engagement der Bürgerinnen und Bürger - "Der Brunnen muss bleiben!".

Die Wiedereinweihung des Mühlenradbrunnens 2014.
Foto: Thomas Seidel

Der Kiez soll für die Bürgerinnen und Bürger attraktiv bleiben und noch schöner werden. Dazu zählen nicht nur schöne und bezahlbare Wohnungen, sondern auch ein einladendes, grünes Umfeld, wo Entspannung und Erholung möglich sind.

"Spielplätze" im Kiez nicht nur für die Kleinsten.
Foto: Thomas Seidel

Leider herrscht seit der Ankündigung der Durchführung baulicher Veränderungen im Mühlengrund im Jahre 2012 größtenteils Stillstand im Viertel, der temporär durch die Brunnensanierung durchbrochen worden war. Die Anwohner beklagen, dass sie nicht informiert werden, was nun wirklich im Mühlengrund geschehen wird. Der angekündigte Umbau durch einen Investor scheiterte und es herrschte lange Ratlosigkeit nicht nur bei den Bewohnern des Viertels, sondern auch bei den Verantwortlichen in den Behörden.
Einen Lichtblick lieferte zumindest eine Ankündigung in der Berliner Woche – hier konnte man Folgendes erfahren:
Am Mühlengrund erwarb die städtische Gesellschaft (HOWOGE) zudem ein 5500 Quadratmeter großes Grundstück an der Rüdickenstraße 33, wo bis Anfang 2018 rund 170 Wohnungen entstehen sollen. Auch hier werden Mittel aus dem Förderprogramm in Anspruch genommen. Es handelt sich um ein Teilstück des vormals geplanten ‚Quartiers am Mühlengrund’, bei dem insgesamt 370 Wohneinheiten und Einzelhandelsflächen vorgesehen sind.
Berliner Woche vom 18. November 2015, 26. Jahrgang, S. 1.
Dies lässt zumindest neue Hoffnungen keimen.

Foto: Uwe Seibt


Weitere Informationen zum Projekt:

Links:

Bibliografie:
  • BALL e. V. in Zusammenarbeit mit Förderverein Schloß Hohenschönhausen e. V. (Hrsg.): Hohenschönhausen neu gesehen. Eine Anleitung zum Selbsterleben. Mit Texten und Bildern von gestern und heute. Berlin 2014. 
  • Förderverein Schloß Hohenschönhausen e. V. (Hrsg.): Hohenschönhausen. Gestern und Heute. Ein Dorf, ein Bezirk, ein Ortsteil. Berlin 2002. 
  • Meyerhöfer, Rolf Dr.: Neugestaltung des Mühlengrundes in Berlin-Hohenschönhausen. Eine Dokumentation. In: Heimatverein Hohenschönhausen e. V. (Hrsg.; in Zusammenarbeit mit Kulturring in Berlin e. V., Projektbereich Nordost): Hohenschönhausener Kalenderblätter. Heft 3, März 1997. Berlin 1997. 


Dieses Projekt wird mit Mitteln des Bezirkskulturfonds Lichtenberg realisiert.

Bezirkskulturfonds Lichtenberg Berlin

 
   

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